SPIELBERICHT

HC Einheit Halle – HG 85 Köthen 30:25 (17:11)

 
Feger zieht Köthen den Nerv
Einheit siegt im Derby klar mit 30:25
 
von Frank Paulat
 

Der HC Einheit Halle hat seine blütenweiße Heimweste auch im Derby gegen den Erzrivalen HG 85 Köthen verteidigt und bleibt dank des 30:25-Erfolgs weiter im oberen Tabellendrittel. 680 Zuschauer im BiZ sahen ein Spiel, dass der Gastgeber ab Mitte der ersten Hälfte überraschend klar dominierte und hoch verdient für sich entschied.

Das lag jedoch weniger an formschwachen Köthener, bei denen nur die Ex-Hallenser Sebastian Retting und Christian Lingk Torgefahr ausstrahlten, als an der guten Abwehrarbeit und bis auf eine kurze Phase in der zweiten Hälfte auch sehr effektiven Wurfquote des HC Einheit.

Ein Spieler stach aber ganz klar heraus, drückte er doch dem Spiel seinen ganz besonderen Stempel auf. Die Rede ist von Helmut Feger dessen wohl bislang beste Leistung im Tor nicht nur Einheit-Coach Dima Radkevich ins Schwärmen kommen ließ. „Das war heute ein ganz, ganz starker Auftritt von Helmut“, so der Weisrusse. Mit Szenenapplaus honorierten die Fans immer wieder Fegers Vorstellung. Mit insgesamt 26 Paraden zog Feger den Gästen fast im Alleingang den Nerv und leitete zudem mit wahren „Zuckerpässen“ immer wieder Tempogegenstöße ein, die vor allem Axel Steinbach in Tore ummünzte.

Doch nicht nur für ihn hatte Dima ein Sonderlob parat. „Auch Tobias Suchanke und Maximilian Haase haben im Mittelblock heute super gestanden.“ Die Freude über dieses Lob vom Coach war Maximilian Haase ins Gesicht geschrieben, musste der Neuzugang doch bis zuletzt um seinen Einsatz bangen.

Unter der Woche aufgrund einer Erkältung von Dima noch mit Trainingsverbot belegt, wurde der 20-jährige Ex-Staßfurter für das Duell gegen seinen ehemaligen Mannschaftskollegen Retting gerade noch rechtzeitig fit. „Ich bin total am Ende, aber es hat gereicht, denn gegen Köthen reicht es immer“, freute sich der Sportstudent, der sich nach dem Abpfiff gleich zwei Flaschen Bier schnappte, um die Energiereserven wieder aufzuladen.

Die Partie begann zunächst ausgeglichen, von Verunsicherung der Köthener nach dem Straftraining vom Sonntag keine Spur. Bis zur Mitte der ersten Halbzeit gestalte die HG das Spiel offen, weil Sebastian Retting immer wieder die Lücken in der Abwehr des HCE fand (7:6 -15.). Dann aber schlug die große Stunde des Helmut Feger. Er vernagelte sein Gehäuse und Einheit zog mit fünf blitzsauber vorgetragenen Tempogegenstößen binnen sechs Minuten auf und davon (12:6 – 21.)

Köthen verlor nun völlig den spielerischen Faden. Einheit versäumte es aber, hieraus noch weiter Kapital zu schlagen und die Partie schon vorzeitig zu entscheiden. So wechselten beide Seiten beim Stand von „nur“ 17:11 für den HCE die Seiten. Das dann drohende Unheil hatte Dima bereits kommen sehen. „Ich habe meine Mannschaft in der Pause gewarnt, dass sich Köthen nicht aufgibt und wir unsere Angriffe konsequent ausspielen müssen.“

Doch seine Worte verhallten ungehört, obgleich es unmittelbar nach dem Wiederanpfiff zunächst nach einem Spaziergang für Einheit aussah. Köthen wirkte total verunsichert und so hatte der HCE wenig Mühe den Vorsprung bis zur 37. Minute auf 20:12 auszubauen. Doch vielleicht ging dies alles zu einfach, denn plötzlich zog auf Seiten der Hausherren der Schlendrian ein.

Die Gäste nahmen ihr Herz in beide Hände und verkürzten bis zur 46. Minute auf 22:20. Der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt und plötzlich war es der HCE, der um die Früchte seiner Arbeit zittern musste.

Doch in dieser Phase war wieder Helmut Feger zur Stelle, der mit seinen Paraden vor allem gegen Ralf Stojan vom Kreis die Sicherheit ausstrahlte, die seine Vorderleute nun dringend benötigten. So blieb der Ex-Dessauer ohne Torerfolg während sein Gegenüber Thomas Hollstein das Duell der Kreisläufer mit vier Toren klar für sich entschied.

Nach dieser Schwächephase fing sich Einheit wieder und zerstörte dank einer nun wieder ausgezeichneten Wurfeffektivität binnen weniger Minuten die vagen Hoffnungen der Gäste auf ein Remis. Spätestens als der den erkrankten Dreibrodt wieder einmal sehr gut vertretende Niestroj in der 54. Minute zum 29:22 traf, war das Spiel endgültig entschieden. Köthen gelang es zumindest noch, die Niederlage in erträglicher Höhe zu halten, doch am verdienten Sieg des HCE gab es nichts mehr zu deuteln.

Dennoch kam bei Michael Schmidt, Geschäftsführer der Spielbetriebsgesellschaft des HCE, nach dem Spiel nicht so richtig Freude auf. Er ärgerte sich mehr über die Schwächephase seiner Teams. „Wir hätten heute viel höher gewinnen müssen. Ich hab schon vor dem Spiel zur Mannschaft gesagt, dass uns die Köthener Deckungs- und Spielweise liegt und das hat sich bewahrheitet.“ Doch schon wenig später fiel auch sein Fazit positiv aus. „Wenn man überlegt, dass wir zurzeit ohne unseren besten Torschützen des Vorjahres auskommen müssen, sind wir schon gut dabei. Wir haben heute vieles richtig gemacht und hoch verdient gewonnen.“

Mit 8:4 Punkten hat Einheit weiter engen Kontakt zur Tabellenspitze und kann in den nun folgenden Duellen gegen die Aufsteiger aus Duderstadt und Münden in den kommenden Wochen das positive Punktekonto weiter ausbauen.

HC Einheit:

Mocker, Feger ; Gragert, Grundmann (3), Haase (4), Hollstein (4), Klatt (2), Kern, Niestroj (6), Pöritz (1), Steinbach (7/3), Suchanke (3)

 

19.10.2008